Foto: Karen Pagnia
Erfahrungsberichte

Mit den Schulis aufs Turnier: Der PM-Cup

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Was ist der PM-CUP?

  • Tolles Turniererlebnis auch ohne eigenes Pferd und

  • Mannschaftserfahrung sammeln

Wenn Reiten nicht nur Einzelsport ist, sondern auch im Team bestritten werden kann, du auch mit Schulpferden die Möglichkeit hast, Turnierluft zu schnuppern und dich sogar für weitere Turniere qualifizieren kannst, dann beschreibt dies den sogenannten PM-Schulpferdecup.

Zweimal hatte ich selber die tolle Möglichkeit, mit meinem Reitverein an einem PM-Cup teilnehmen zu können. Und ich hatte das Riesenglück, auch mein Lieblingspferd reiten zu dürfen. Schon vorher hat es mich immer an die Box des großen Fuchses gezogen, der immer so freundlich geschaut und sich gefreut hat, wenn ich ihm die Nase gekrault habe. Ich habe es genossen, meine Zeit mit ihm zu verbringen und auf seinem Rücken zu sitzen.

Mein Lehrer und ich. Foto: Amelie Horsch

Er hat mir unheimlich viel Sicherheit gegeben, war turniererfahren und ein echter Profi. Mit ihm habe ich unglaublich viel gelernt und meine reiterlichen Fähigkeiten haben sich um einiges verbessert. Schon ihn einfach nur zu putzen, auf dem Paddock zu besuchen, mit ihm zu kuscheln und einfach jeden Moment gemeinsam zu genießen, hat mich glücklich gemacht. Umso mehr habe ich mich gefreut über die Möglichkeit, mit ihm an einem PM-Cup teilzunehmen zu können.

Da ich noch nie die Mutigste war und mein liebevoller Fuchs nicht der einfachste im Springen, musste noch ein Pferd für den Springparcours gefunden werden. Unser routiniertestes Schulpferd stellte sich als der richtige Partner für mich heraus. Er hatte vielleicht nicht die tollsten Gänge, war nicht am schönsten zu sitzen und hatte auch seinen eigenen Schulpferdedickkopf. Aber im Parcours war er eine echte Lebensversicherung. Er hat mich über jeden Sprung getragen und mich dabei nie das Gefühl von Angst verspüren lassen.

Vor dem Parcours war ich auf jeden Fall sehr viel nervöser als mein Routinier. Foto: Amelie Horsch

Der PM-Cup besteht aus vier Teilen. Dazu gehören:

  • die Mannschaftsdressur in der Abteilung
  • das Springen
  • die Theorie
  • das Vormustern

Zu einer vollständigen Mannschaft gehören 4 Reiter, 4 Pferde und der Mannschaftsführer. Starten nur 3 Reiter, werden alle Ritte gewertet und es gibt kein Streichergebnis. Streichergebnis bedeutet, dass das Ergebnis des an diesem Tage schwächsten Reiters einer Mannschaft nicht mit in die Gesamtwertung einfließt. Es bietet sich also an, wenn es möglich ist, mit 4 Reitern teilzunehmen. Denn es kann bei all der Aufregung  ja auch mal etwas schiefgehen.

Die einzelnen Disziplinen

Dressur

In der Dressur wird ein Abteilungswettbewerb auf E-Niveau von dem jeweiligen Mannschaftsführer vorgelesen. Eine E-Dressur ist die Einstiegsklasse in die Dressur und Hilfszügel dürfen hier benutzt werden. Jeder Reiter wird einzeln bewertet, die Noten der drei besten Reiter des jeweiligen Teams werden addiert und mit drei multipliziert. Hinzu kommt eine Note für den Gesamteindruck des Teams. Dazu zählen zum Beispiel die Abstände der Pferde in der Abteilung und ein gut abgestimmtes Outfit von Reitern und Pferden.

Eine sehr schön aufeinander abgestimmte Abteilung. Foto: Karen Pagnia

In der Dressur wurden mein Fuchs und ich ausgewählt, an der Tete, also am Anfang der Abteilung zu reiten. Für mich eine sehr besondere Aufgabe, da ich das Arbeitstempo für alle anderen bestimmen und kontrollieren musste. Was mir im Training mal mehr, manchmal aber auch weniger gut gelungen ist. In diesem Zusammenhang hat uns unsere Reitlehrerin beigebracht, dass wir uns im Sinne des Gesamteindrucks des Teams immer an dem Tempo des Pferdes orientieren sollten, das die meisten Probleme mit der Abteilung und einem vorgegebenem Tempo hat. Wir hatten nämlich eine noch sehr stürmische junge Stute dabei, die dazu neigte, die anderen buckelnd überholen zu wollen.

Die korrekte Grußaufstellung ist der so wichtige erste Eindruck bei den Richtern Foto: Bianca Köbe

So haben wir viel Abteilungsreiten in allen Gangarten trainiert, exakt gleichzeitiges Abwenden und das korrekte Aufmarschieren. Auch haben wir als Team mit unserer Reitlehrerin Sitzübungen an der Longe auf verschiedenen Pferden gemacht, um unseren Sitz immer weiter zu verbessern. Gemeinsam haben wir uns überlegt, wie unser Outfit aussehen soll. Bei meinem ersten PM-Cup haben wir uns für ein schlichtes schwarzes Poloshirt mit Vereinsaufdruck und weißer Reithose entschieden, für die Pferde weiße Schabracken mit Vereinsemblem. Beim zweiten PM-Cup wählten wir zusätzlich petrolfarbene Bandagen und farblich passende Gürtel.

Springen

Im Springen wird von jedem Reiter die Bewältigung eines Parcours mit sechs einzelnen Aufgaben/Hindernissen verlangt. Er ist ein bisschen anders als ein normaler Springparcours, es gibt zum Beispiel Übergänge zum Trab oder das Umrunden von Kegeln, um zu zeigen, wie sicher die Einwirkung des Reiters schon ist. Zwei Pferde eines Teams können dabei doppelt eingesetzt werden, sodass nicht jedes Dressurpferd auch springen muss. Der korrekte leichte Sitz ist von großer Bedeutung in der Grundausbildung des Reiters und wird daher auch einzeln bewertet. Dazu muss man vor Absolvierung des Parcours eine Runde im leichten Sitz ganze Bahn galoppieren.

Der Parcours beginnt zur Einstimmung mit Trabstangen. Foto: Amelie Horsch

Wir haben viel trainiert. Den elastischen leichten Sitz, Einzelsprünge und verschiedenste Abfolgen von Hindernissen. Vor allem bei meinem ersten PM-Cup, bei dem ich im Vorfeld fast gar keine Springerfahrung hatte, war das Training mit meinem Routinier sehr wichtig für mich. Die regelmäßigen Stunden, die uns der Verein zum Üben ermöglicht hat, waren für mich dabei einfach unglaublich wichtig, um gut vorbereitet in die anstehende Prüfung zu gehen.

Bei meinem zweiten PM-Cup ritt ich dann ein komplett anderes Pferd. Es war eine sehr lebhafte Ponystute, die viel Spaß am Springen hatte und gerne aus einem recht hohen Grundtempo heraus sprang. Sie war völlig anders, als ich es zuvor von meinem Routinier gewöhnt war. Vielleicht gerade deshalb hat mir die Arbeit mit ihr besonders viel Spaß gemacht.

Mit der kleinen, gehfreudigen Ponystute hat mir das Springen großen Spaß gemacht. Foto: Amelie Horsch

Ich habe sie auch öfters in der Dressur geritten, da sie anfangs noch Schwierigkeiten hatte, im Handgalopp anzugaloppieren. Auch Abteilungsreiten war für sie Neuland. Ich fand es toll, mit ihr zu arbeiten, sie hat immer viel Motivation mitgebracht und war enorm lernwillig. Durch die Erfahrungen von meinem ersten PM-Cup konnte ich nun das Gelernte auf einem anderen Pferd umsetzen.

Theorie und Vormustern

In der Theorie beantwortet das ganze Team gemeinsam einen Multiple Choice Fragebogen rund ums Pferd mit 20 Fragen. Für das richtige Beantworten aller Fragen erhält man eine Wertnote von 10,0, jede falsch oder nicht beantwortete Frage gibt 0,5 Punkte Abzug.

Gemeinsam sind wir stark: Vorbereitung als Team

Um uns auf die Theorie vorzubereiten, haben wir im Training die Aspekte der Reitlehre besprochen und auch direkt versucht, diese umzusetzen. Zusätzlich haben wir uns getroffen, um die Theorie gemeinsam durchzugehen und dann an jedes Teammitglied verschiedene Schwerpunkte zur intensiveren Vorbereitung verteilt.

Auch das Vormustern haben wir zusammen trainiert, unsere sehr verschiedenen Schulpferde dafür ausprobiert und eines für die Prüfung festgelegt. Am Turniertag wird dann von den Richtern jeweils ein Reiter ausgelost, der für seine Mannschaft das Pferd vorstellt. Dafür wird aus Stangen eine sogenannte Dreiecksbahn gelegt. An zwei Seiten wird im Schritt und an der langen Seite im Trab vorgeführt. Außerdem sind ein korrektes Aufstellen des Pferdes, (d.h.offen zu den Richtern), sowie eine Vorstellung der Reiterin und des Pferdes gefordert.

Korrektes Aufstellen eines Pferdes vor den Richtern will geübt sein. Foto: Karen Pagnia

Wenn ihr euch über alle Fakten des PM-Cups informieren wollt, könnt ihr das am besten auf der Seite der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Hier erfahrt ihr alles über die Teilnahmebedingungen, die Anforderungen der Turnierserie und die Qualifikationsprüfungen. Wenn es gelingt, das Finale zu erreichen, findet dies tatsächlich im Rahmen der Horses and Dreams Veranstaltung in Hagen auf dem Hof Kasselmann statt! Es werden auch immer wieder Veranstalter für die Wertungsturniere gesucht, vielleicht könnt ihr das ja sogar in eurem Verein anregen. Und hier gibt es noch ein paar schöne Eindrücke des PM-Cup-Finales von 2016 aus dem Archiv der Reiter Revue International:

Für mich war der PM-Cup eine der ersten Möglichkeiten, Turnieratmosphäre zu schnuppern. Vor allem die Vielseitigkeit der Anforderungen war im Nachhinein etwas sehr Besonderes. Sich sowohl in der Dressur und im Springen weiter zu entwickeln, als auch für das Vormustern den richtigen Umgang mit dem Pferd zu erlernen und die theoretischen Zusammenhänge nachzuvollziehen.

Der PM-Cup würdigt die Bedeutung der Vereine und Reitschulen und ihrer guten Schulpferde für die Zukunft des Reitsports. Hier können Vereine ihren Nachwuchsreitern einen tollen Turnierstart bieten, in dem es nicht nur um den Einzelkampf geht, sondern Gemeinschaftsleistung und Teamgeist im Vordergrund stehen.

Der PM-Cup ist einfach ein schönes Erlebnis für die jungen Reiter eines Vereins, das die Verbindung zum Pferd und den Teamgeist stärkt. Foto: Karen Pagnia

Außerdem lernt man verschiedene Pferdepersönlichkeiten kennen und setzt sich mit ihnen auseinander. Getreu dem Motto „ein guter Reiter kann jedes Pferd reiten“.

 

Beitragsbild: Karen Pagnia

    * 19 Jahre * Dressurreiterin * aktive Voltigiererin und Voltigiertrainerin *
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