Foto: Karen Pagnia
Ratgeber

Eine lange Mähne einflechten – so geht`s

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Tolle Flechtideen für lange Mähnen

Für jeden Reiter ist es DIE Turnier-Routine schlechthin: Die Mähne einflechten. Doch was tun, wenn dein Pferd sein Langhaar etwas natürlicher und nicht kurz und akkurat verzogen trägt? Es müssen nicht immer die kleinen Zöpfchen sein, um die Mähne effektvoll einzuflechten.

Mit Fantasie und Fingerspitzengefühl geht noch viel mehr! Auch für wallende Haflinger-, Friesen- oder Tinkermähnen, die ja ein rassetypisches Kennzeichen sind und natürlich ein prima Fliegenschutz im Sommer, gibt es hübsche und turniertaugliche Alternativen. Hufglück zeigt dir in diesem Tutorial Schritt für Schritt, wie es geht.

Idee Nr. 1:

Das Netz

Vorbereitung und Materialien:
Um ein Netz flechten zu können, braucht die Mähne deines Pferdes eine gewisse Länge, sodass eine mehrfache Unterteilung von oben nach unten möglich ist. Außerdem sollte sie überall ungefähr gleich lang und sauber sein, um ein schönes Ergebnis zu erzielen. Allerdings sollte die letzte Haarwäsche ein paar Tage zurückliegen und die Mähne nicht vorher mit Mähnenspray kämmbar gemacht werden. Die Haare sind sonst zu glatt und die Frisur hält nicht lange.

Folgende Utensilien brauchst du:

  • Mähnenbürste
  • Mähnenkamm
  • Mähnengummis
  • ggf. Fußbänkchen / Stuhl, je nach Größe deines Pferdes
  • ggf. Dekoration in Form von Schleifen, Blumen o.ä.
Schritt 1

Schritt 1:
Zunächst kämmst du die Mähne deines Pferdes vorsichtig durch und beseitigst eventuelle Knoten. Anschließend teilst du, im Genick beginnend, dicke Strähnen in gleichmäßigen Abständen ab. Diese fixierst du möglichst nah am Mähnenkamm mit einem Mähnengummi. Zur besseren Haltbarkeit verwende ich für diese ersten Strähnen zwei Gummis, denn sie bilden die Basis der Frisur.

Schritt 2

Schritt 2:
Die Strähnen sollten nicht zu dünn sein, denn sie werden später mehrmals geteilt. Achte darauf, dass auch die letzte Strähne am Widerrist noch einen gewissen Umfang erreicht und fixiere auch sie mit einem doppelten Mähnengummi.

Schritt 3 und Schritt 4:
Im nächsten Schritt beginnst du mit der ersten Ebene des Netzes. Dazu fasst du die erste Strähne hinter dem Genick vollständig und teilst die daneben liegende in zwei gleich dicke Strähnen. Nun nimmst du die erste Strähne und die Hälfte der zweiten und fügst sie ein Stück unterhalb im vierten Schritt mit einem Mähnengummi zusammen.

Schritt 5

Schritt 5:
Diesen Schritt wiederholst du nun mit allen weiteren Strähnen. Immer die Hälften von zwei nebeneinander liegenden Strähnen werden miteinander verbunden, sodass die gewünschte Netz-Optik entsteht. Die letzte Strähne am Widerrist wird nicht geteilt, sondern vollständig mit der Hälfte der Nachbarsträhne verbunden. Um ein gleichmäßiges Bild zu erreichen, solltest du darauf achten, die Mähnengummis auf gleicher Höhe zu setzen und die Strähnen genau in der Mitte zu teilen.

Schritt 6

Schritt 6:
In der nächsten Reihe wiederholst du die Schritte 3-5, indem du erneut alle Strähnen bis auf die erste im Genick und die letzte am Widerrist teilst und die nebeneinander liegenden Hälften miteinander verbindest.

Schritt 7

Schritt 7:
Je nach Länge und Dichte der Pferdemähne kannst du dich für unterschiedlich viele Stufen bei deinem Netz entscheiden. Ich persönlich bevorzuge es, die offenen Enden ein wenig länger zu lassen. Meistens bleibt dadurch die Gleichmäßigkeit optisch besser erhalten, da die Strähnen nach unten nicht so stark ausdünnen. Gefällt dir dies nicht, kannst du das Netz natürlich auch weiter nach unten fortsetzen.

Für eine bessere Haltbarkeit verwende ich für die abschließende Netzreihe wieder jeweils zwei Mähnengummis pro Strähne. Um ein noch gleichmäßigeres Bild zu erreichen, könnt ihr die Mähne eures Pferdes natürlich von Anfang an verziehen und abstehende Härchen am Mähnenkamm entfernen.

Für mich persönlich ist das Netz immer die erste Wahl für Turniere, Vorführungen und andere „Anlässe“, bei denen die Mähne nicht offen bleiben soll. Es erzeugt ein apartes Gesamtbild und das Pferd ist in der Beweglichkeit des Halses nicht eingeschränkt (meine Stute mag zum Beispiel keine direkt auf dem Mähnenkamm liegenden Bauernzöpfe). Auch unseren Praxistest besteht das hübsche Netz, beim Reiten hält die Frisur lange durch. Falls sich doch einmal etwas verzieht, ist dies durch ein Verschieben der Gummis auch schnell wieder behoben.

Gestaltungsmöglichkeiten

Unser Netz bietet zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten, falls es mal nicht in eine Turnierprüfung geht. Mögliche Anlässe könnten sein:

  • Quadrillen
  • Fotoshootings
  • Schönheitswettbewerbe
  • Schaubilder
  • Küren zu Musik mit Kostümen

Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Variation des Netzes mit eingearbeiteten Mohnblüten

Hier ein paar Anregungen, die ich selbst bereits getestet habe:

  • Wiesenblumen. Für diese Fotostrecke habe ich Mohnblüten verwendet, es gibt aber viele weitere hübsche Arten.

Achtung! Vergewissert euch, dass die Pflanzen nicht giftig sind und lasst eure Pferde zur Sicherheit nicht an der Dekoration naschen oder unbeaufsichtigt damit stehen!

  • Farbige Mähnengummis und Schleifen. Für meine „Goldy“ verwende ich gerne goldene Mähnengummis.
  • Gummis mit kleinen Schleifen. Sie wirken besonders gut, wenn sie in die einzelnen Reihen des Netzes eingearbeitet werden.
  • Flechten: Wer etwas mehr Zeit hat, kann die einzelnen Strähnen des Netzes auch einflechten, was besonders in den oberen Reihen gut zur Geltung kommt.Damit das Netz dann nicht absteht, solltet ihr die einzelnen Flechtstränge nicht zu sehr straffen.

Idee Nr. 2:

der Bauernzopf

Vorbereitung und Materialien:
Der Bauernzopf eignet sich besonders gut, wenn dein Pferd eine recht dicke und mindestens 20 cm lange Mähne hat. Wie immer ist es für die Haltbarkeit von Vorteil, wenn die Mähne zwar sauber ist, aber nicht frisch mit Shampoo gewaschen oder mit Mähnenspray behandelt wurde.

Folgende Utensilien brauchst du:

  • Mähnenbürste
  • Mähnenkamm
  • 1-2 Mähnengummis
  • Ggf. Fußbänkchen / Stuhl je nach Größe deines Pferdes
  • Ggf. Dekoration in Form von Blumen, bunten Bändern, Schleifen o.ä.

Als Vorbereitung kämmst du die Mähne des Pferdes sorgfältig durch, sodass sie locker fällt und sich gut in einzelne Strähnen abteilen lässt. Falls du noch nicht so geübt bist, ist es hilfreich, das Pferd beidseitig anzubinden. Dann kann es während des Flechtens den Kopf nicht so weit drehen und dir die einzelnen Strähnen aus den Fingern ziehen. Das passiert ohne die nötige Routine schon mal und ist erfahrungsgemäß immer ärgerlich. Aber versprochen: Je öfter du das Flechten trainierst, desto leichter geht es von der Hand und wird auch immer ordentlicher.

Schritt 1

Schritt 1:
Du beginnst direkt hinter dem Schopf und teilst drei gleichmäßige, etwa fingerdicke Strähnen ab.

Schritt 2: Schritt 3:
Im zweiten und dritten Schritt flichtst du diese drei Strähnen so dicht wie möglich einmal am Mähnenkamm, als wolltest du einen ganz normalen Zopf flechten.

Schritt 4

Schritt 4:
Nun flichtst du aber nicht allein mit diesen drei Strähnen weiter, sondern teilt links daneben eine weitere fingerbreite Strähne ab, die du mit der unten liegenden linken Strähne des ersten Zopfes zusammenfasst.

Schritt 5 und 6:
Nun hast du ja wieder drei Strähnen in den Händen und flichtst mit diesen eng am Mähnenkamm weiter.

Schritt 7

Schritt 7:
Die Schritte 4-6 wiederholst du nun immer wieder und arbeitest dich so Stück für Stück mit dem Zopf am Mähnenkamm Richtung Widerrist voran.

Schritt 8

Schritt 8:
Um ein möglichst gleichmäßiges Ergebnis zu erzielen, solltest du auf immer gleich starke und nicht zu dicke Strähnen achten, den Zopf recht kompakt flechten und ihn zwischendurch gerade ziehen.

Schritt 9

Schritt 9:
Wenn du dich bis zum Ende der Mähne vorgearbeitet hast und auch die letzte Strähne in den Zopf eingebunden ist, flichtst du die Enden einfach zu einem normalen Zopf nach unten und sicherst ihn mit zwei Mähnengummis.

Schritt 10

Schritt 10:
Den fertigen Zopf kannst du nach Belieben in Form ziehen und ausdrehen, sodass er sauber am Mähnenkamm anliegt. Je straffer und sorgfältiger er geflochten ist, desto akkurater ist das Ergebnis.

Allerdings hängt dies auch stark von der Beschaffenheit der Pferdemähne und natürlich der Übung ab. Meine Stute hat beispielsweise zahlreiche Wirbel in der Mähne, die im Normalzustand gar nicht auffallen. Frisiert man ihr jedoch Zöpfe jedweder Art, treten sie durch eine Art natürliches Chaos in Erscheinung. Der Zopf sitzt nie gerade, sondern verdreht sich, ganz gleich, wie geschickt man flicht. (siehe oben 🙂 )

Außerdem sollte man nicht nur die Makellosigkeit der Frisur, sondern auch das Wohlergehen des Pferdes im Blick behalten. Zurrt man die Stränge für ein optisch perfektes Ergebnis zu stark fest, ergeht es besonders den empfindlichen Pferden ähnlich wie uns Menschen. Uns kann ein zu straff gezogener Haarknoten erhebliche Kopfschmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen. Daher sollte man die Reaktionen des Pferdes aufmerksam beobachten.

Ein klassischer Bauernzopf erzeugt eine sehr hübsche Optik und ist recht schnell und unkompliziert zu bewerkstelligen, sodass er häufig auf Turnieren eingesetzt wird. In unserem Test bekam er jedoch in puncto Haltbarkeit nur mittelmäßige Noten, da er zwar für die Fotos perfekt saß, beim anschließenden Reiten aber recht schnell die Form verlor.

Im Gegensatz zum Netz oder anderen Flechtfrisuren lässt sich ein Bauernzopf nicht gut nachträglich wieder in Form ziehen. Wie immer muss das natürlich nicht für jedes Pferd gelten, da alle Mähnen unterschiedlich beschaffen sind.

Gestaltungsmöglichkeiten

Ähnlich wie das Netz lässt der Bauernzopf viel Spielraum für Kreativität, insbesondere dann, wenn der Anlass kein Turnier ist. Hier ein paar Gestaltungsideen für Fotoshooting, Quadrille und Veranstaltungen aller Art:

  • Blumen: Auch der Bauernzopf eignet sich prima für florale Verzierungen. Für das Foto habe ich Schleierkraut verwendet, aber auch schon kleine Wildröschen, Gerbera, Butterblumen und Margeriten. Die Flechten erleichtern eine gleichmäßige und haltbare Dekoration, da ihr die Blumen einfach dazwischen stecken könnt.
    Bitte unbedingt beachten: Vergewissere dich, dass du nicht aus Versehen giftige Pflanzen nutzt und lasse das Pferd nie davon naschen oder unbeaufsichtigt damit stehen.

  • Bunte Bänder: Ganz gleich ob die Nationalfarben eures WM-Favoriten, eure Lieblingsfarbe oder als farbliche Abrundung eines Quadrille-Outfits, bunte Bänder lassen sich sehr leicht in den Zopf aufnehmen und sorgen für ein optisches Highlight. Einfach am Anfang mit einem durchsichtigen Mähnengummi an der ersten Strähne befestigen und mitflechten.
  • Verschiedene Variationen: Mit ein wenig Fingerspitzengefühl und Übung könnt ihr auch andere elegante Varianten des klassischen Bauernzopfes flechten. Beispiele dafür sind zum einen der „Fischgrätzopf“, bei dem die Strähnen das extravagante Fischgrätmuster formen oder der doppelte Bauernzopf für Pferde mit besonders dicker Mähne. Dafür wird die Mähne geteilt und auf beiden Seiten des Mähnenkamms jeweils ein Bauernzopf geflochten.
  • Idee für den Alltag: Bei mir persönlich findet der Bauernzopf nur selten auf Turnieren und Veranstaltungen Anwendung, da meine Stute auf den straffen Zopf am Mähnenkamm sehr unwillig reagiert. Umso beliebter ist dagegen unsere „Arbeits- und Sommervariante“ der Frisur.
Unsere „Arbeits- und Sommervariante“ des Bauernzopfes

Wenn es richtig heiß ist und sich die Hitze unter der dicken Haflingermähne staut, oder auch wenn die Zügel sich beim Arbeiten nicht in der Mähne verfangen sollen, flechte ich ebenfalls einen Bauernzopf. Dieser unterscheidet sich aber dadurch, dass er nicht straff am Mähnenkamm anliegt, sondern etwas tiefer in der Mähne. Dadurch engt er nicht ein. Zwar leidet die Schönheit ein wenig bei dieser lockeren Variante, meinem Pferd gefällt es aber sichtlich, besonders an warmen Tagen.

Natürlich gibt es noch viele weitere Möglichkeiten und wir würden uns freuen, wenn du deine Ideen mit uns teilst. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! Viel Spaß beim Frisieren und Ausprobieren wünscht das Hufglück-Team.

 

Die Fotos zum Tutorial sind von Karen Pagnia und Laura Held.

    * 25 Jahre alt * Studentin in Hamburg * eigenes Pferd: Haflingerstute ‚Goldy‘ *
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