Gesundheit

Kreuzverschlag (Belastungsmyopathie)

Inhalt
Definition
Formen
Symptome
Behandlung
Ursachen
Prognose
Prophylaxe

Definition

Der Kreuzverschlag, auch Belastungsmyopathie oder „Feiertagskrankheit“ genannt, ist eine Muskelerkrankung. Sie war zunächst vor allem bei Arbeitspferden in der Landwirtschaft zu beobachten, tritt heute aber auch bei Sport- und Freizeitpferden auf.

Formen

Die Tiermedizin unterscheidet zwischen

  • Sporadisch Akutem Kreuzverschlags (SER)
  • Wiederkehrendem Belastungsbedingten Verschlag (RER), chronisch
  • Kohlenhydratspeicherkrankheit (PSSM), chronisch

Die chronischen Formen des Kreuzverschlags sind vererbbar.

Es gibt einige Rassen, die besonders betroffen sind, wie beispielsweise amerikanische Rassen, Vollblüter und Kaltblüter. Die akute Form des Kreuzverschlags kann jedes Pferd treffen, besonders gefährdet gelten jedoch Distanz- und Vielseitigkeitspferde. Sowohl bei der akuten als auch bei den chronischen Formen des Kreuzverschlags wird außerdem nach Schweregrad der Erkrankung unterschieden.

Symptome

Sporadisch Akuter Kreuzverschlag (SER):
Die Symptome setzen bei der akuten Form des Kreuzverschlages meist plötzlich ein. Vor allem dann, wenn das Pferd bei normaler Fütterung ein paar Tage geruht hat und anschließend wieder stark bewegt wird. Dies löst die Probleme des Muskelstoffwechsels aus.

Bei einer milden Ausprägung des akuten Kreuzverschlags bemerkt man unter Umständen lediglich einen steifen Gang, Abgeschlagenheit, Muskelverspannungen an Rücken und Kruppe und leichtes Schwitzen des Pferdes.

Bei schwereren Formen sind die Symptome wesentlich deutlicher. Das Pferd schwitzt stark, möchte sich nicht mehr bewegen und leidet sichtlich unter starken Schmerzen. Es krümmt den Rücken, geht in Streckstellung um die verspannten Muskeln an Rücken und Kruppe zu entlasten und legt sich mitunter sogar hin. Hinzu kommt ein dunkel gefärbter Urin, in besonders schweren Fällen kann es zu vollständigem Urinverhalt kommen.

Aufgrund des starken Schwitzens und der Schmerzen kann der Kreislauf der Pferde instabil werden. Puls und Atmung sind beschleunigt, die Temperatur ist erhöht und die Muskeln beginnen zu zittern. Liegt das Pferd über einen längeren Zeitraum fest, kann es an den Folgen des Kreuzverschlags versterben.

Chronische Typen des Kreuzverschlags (RER und PSSM)
Sowohl im Falle von RER als auch bei PSSM liegt eine vererbbare und unheilbare Stoffwechselerkrankung zugrunde. PSSM macht sich durch eine allgemeine Lustlosigkeit und Steifheit des Pferdes bemerkbar, beginnt also schleichend. Ein träges, unelastisches Pferd kann also ernsthaft erkrankt sein.

Bei RER verhält sich das Beschwerdebild deutlich anders. Vermehrt betroffen scheinen besonders nervöse Pferde zu sein, Stuten sind häufiger betroffen. Die Pferde scheinen agil und gut trainiert, in der täglichen Arbeit sind kaum Verschlechterungen zu beobachten. Starkes und häufiges Schwitzen hat einen Elektrolytverlust zur Folge, was den Mineralstoffhaushalt nachhaltig durcheinander bringt und einen Ausbruch der Krankheit begünstigt.

Behandlung

Bei jeglichem Verdacht auf Kreuzverschlag sollte sofort der Tierarzt verständigt werden, da die Krankheit sehr schnell einen schweren Verlauf entwickeln und das Leben des Pferdes in Gefahr bringen kann!

Erste Hilfe

Bemerkt der Reiter beim Training oder während eines Ausrittes Symptome eines Kreuzverschlags oder möchte das Pferd plötzlich nicht mehr weitergehen, sollte es auch nicht mehr bewegt werden. Eine Hilfsperson mit Hänger sollte verständigt werden, um das Pferd an Ort und Stelle abzuholen. Parallel dazu ist schnellstmöglich ein Tierarzt zu kontaktieren.

Verschlechtert sich der Zustand des Pferdes durch vorsichtiges Führen nicht, kann dies den Muskelkrampf unter Umständen lindern. Zeigt es aber vermehrtes Unwohlsein, sollte Bewegung auf jeden Fall unterbleiben. Eine Decke über Kruppe und Rücken hält die betroffenen Muskelpartien warm und schützt vor Zugluft.

Behandlung durch den Tierarzt

Bei einem schweren Kreuzverschlag stabilisiert der Tierarzt zunächst den Kreislauf des Pferdes mittels Elektrolytinfusionen und spritzt weiterhin schmerzlindernde, entzündungshemmende und muskelentspannende Medikamente sowie Calcium. In leichteren Fällen und zur Unterstützung der Heilung verordnet er außerdem Wärme. Ein Solarium ist ideal, warme Getreideumschläge helfen ebenfalls bei der Entkrampfung der Muskeln.

Der Tierarzt wird außerdem eine umfassende Blutuntersuchung vornehmen, die Aufschluss über bestimmte Muskelenzyme, sowie den Mineralstoffhaushalt des Pferdes gibt. Die Muskelwerte treffen weiterhin eine Aussage darüber, ob und in welchem Maße die Muskulatur des Pferdes durch den Verschlag geschädigt wurde. Man sollte mit dem Tierarzt den Futterplan des erkrankten Pferdes besprechen, um einen Rückfall zu vermeiden.

Ursachen

Welche Vorgänge innerhalb des Organismus führen zu einer solch mitunter plötzlichen und heftigen Erkrankung?

Der Sporadisch Akute Kreuzverschlag wird in den meisten Fällen durch Fütterungs- und Trainingsfehler ausgelöst. Eine zu schnell gesteigerte Belastung bei Sportpferden sowie eine unregelmäßige, dann aber starke Belastung bei Freizeitpferden können einen Verschlag hervorrufen. Hinzu kommt meistens eine zu kohlehydratreiche Fütterung, die nicht an die Bewegung des Pferdes angepasst ist.

Bei einem Sporadisch Akuten Kreuzverschlag lagert sich im Muskel während der Ruhephase als Energiereserve Glykogen an. Wird der Muskel beansprucht, baut er Glykogen unter dem Verbrauch von Sauerstoff ab. Ist die Sauerstoffversorgung unzureichend, kann das Glykogen nicht vollständig verbraucht werden und es bildet sich Laktat (Milchsäure), die sich im Muskel anreichert.

Eine zu große Menge Laktat schädigt den Muskel und verringert seine Durchblutung, was bei einem Kreuzverschlag der Fall ist. Außerdem ist der Kalziumtransport bei erkrankten Pferden gestört. Arbeitet ein Muskel, setzt er Kalzium frei, das normalerweise abtransportiert wird. Bei einem Kreuzverschlag funktioniert dieser Abtransport aber nicht mehr reibungslos. Kalzium sammelt sich in der Muskulatur, was zu Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe führt und die Muskelzellen zerstört.

Prognose – Welche Heilungschancen hat  das Pferd?

Sowohl der akute Kreuzverschlag, als auch seine chronischen Formen sind schwere bis lebensbedrohliche Erkrankungen. Inwieweit sich das Pferd wieder erholt, hängt vom Schweregrad des Verschlages ab sowie von der Schädigung der Muskeln und der Gesamtkonstitution des Tieres.

Von einem leichten Kreuzverschlag erholt sich das Pferd bei entsprechender Behandlung und Pflege nach einigen Tagen, ohne bleibende Schäden davonzutragen. Akupunktur, Wärme und vorsichtiges Führen helfen in der Genesungsphase.

Nach einem schweren Verschlag ist die Prognose schlechter, da dauerhafte Schäden der Muskulatur entstanden sein können und Kreislauf und Allgemeinzustand stark belastet werden. Kaum Chancen auf Genesung haben Pferde, die sich als Folge der Erkrankung in der Box über mehrere Tage hinweg festlegen. Durchblutungsstörungen der inneren Organe führen hier leider häufig zu Kreislaufversagen und damit zum Tod.

Generell gilt: je schwerer das Krankheitsbild, desto länger dauert die Rekonvaleszenz der Pferde. Außerdem neigen einmal betroffene Tiere zu einer erneuten Erkrankung.

Prophylaxe – Wie kann ich vorbeugen?

Obwohl es eine genetische Veranlagung zum Kreuzverschlag gibt, existieren gewisse Risikofaktoren, vor denen man sein Pferd durchaus schützen kann:

Stehtage im Stall sollten unbedingt vermieden werden, insbesondere dann, wenn das Pferd zuvor sehr regelmäßig gearbeitet wurde. Unregelmäßigkeiten belasten die Muskulatur und den Stoffwechsel. Auch wenn das Pferd einen Tag nicht geritten wird, muss für Bewegung auf dem Paddock, der Weide oder anderweitig gesorgt sein.

Auf sehr energiereiches Futter sollte verzichtet werden, insbesondere dann, wenn die Energiezufuhr im Vergleich zur Arbeit des Pferdes zu hoch ist. Unsachgemäße Kraftfutterzufuhr ist ein Risikofaktor für den Kreuzverschlag. Mehr Heu und weniger energiereiches Futter helfen bei der Vorbeugung.

Beim Training sollte auf eine sorgfältige Aufwärmphase geachtet werden, besonders in den Wintermonaten. Dies sorgt für eine langsame Erwärmung der Muskeln, durchblutet den gesamten Organismus des Pferdes und sorgt für eine gute Sauerstoffzufuhr.

 

Die von dem Reitsportmagazin Hufglück angebotenen Inhalte über Pferdekrankheiten dienen ausschließlich der Information der Pferdebesitzer und Reiter. Sie ersetzen in keinem Fall die Untersuchung und Diagnose durch einen Tierarzt.
    * Pferdewirtschaftsmeisterin * Reitlehrerin FN * lebt in Portugal *