Gesundheit

Lyme Borreliose

Inhalt
Definition
Symptome
Diagnose
Ursachen
Vorbeugung
Entfernung
Impfung

Definition

Die Borreliose, auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit genannt, ist eine durch Zecken übertragene bakterielle Erkrankung, die nicht nur den Menschen, sondern auch Säugetiere befallen kann.

Symptome

Die Symptome einer Borreliose sind häufig unspezifisch und könnten ebenso auf andere Erkrankungen hindeuten.

Ein recht eindeutiges Frühsymptom ist eine um die Einstichstelle herum entstehende Entzündungsreaktion, Wanderröte genannt, die bereits nach wenigen Tagen auftritt. Die Haut ist kreisförmig um den Stich herum gerötet. Allerdings ist diese Hautrötung bei Tieren durch Fell und Pigmentierung nur sehr schwierig bis gar nicht zu erkennen und wird in den allermeisten Fällen übersehen.

Weitere Frühsymptome, die allerdings nicht bei jeder Infektion auftreten, können leichtes Fieber und Abgeschlagenheit sein. Nach ungefähr vier bis acht Wochen gelangen die Borreliose-Erreger in die Blutbahn des Pferdes und breiten sich darüber in Gelenke, Sehnen, Muskeln, Knochen sowie im Nervensystem aus.

In diesem Stadium zeigen sich erste Schmerzen im Bewegungsapparat und wiederkehrende Beeinträchtigungen des Allgemeinbefindens. Zudem kann das Pferd unterschiedlichste Symptome zeigen, durch die sich eine Borreliose-Infektion äußert. Dies sind beispielsweise:

  • unspezifische, wiederkehrende Lahmheiten
  • Gelenksteifigkeit
  • Muskelverspannungen
  • Störungen des zentralen Nervensystems
  • Allergien
  • Augenerkrankungen
  • Überempfindlichkeit der Haut
  • Abmagerung
  • Koliken
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Hufrehe und Huflederhautentzündungen
  • Organerkrankungen
  • Verhaltensänderungen.

Erst zwei bis drei Jahre nach Erkrankungsbeginn spricht man von einer verbleibenden Borreliose. In diesem dritten Stadium der Krankheit leidet das Pferd vor allem unter Gelenksentzündungen.

Eine Infektion mit Borrelien kann allerdings auch symptomfrei ablaufen. Dies beweisen serologische Untersuchungen von Pferden, die keine Symptome zeigten, bei denen die für eine Borreliose-Infektion charakteristischen Antikörpertiter IgM und IgG aber erhöht waren.

Diagnose

Die unspezifischen, manchmal um mehrere Wochen zeitversetzt auftretenden Symptome einer Borreliose erschweren eine eindeutige Diagnose. Sie könnten auch auf zahlreiche andere Krankheiten hindeuten. Oftmals wird die Borreliose dadurch – ähnlich wie bei Menschen – zu spät festgestellt.

Um eine Lyme-Borreliose zweifelsfrei diagnostizieren zu können, reicht unter Umständen eine einfache Laboruntersuchung nicht aus. Wird im Labor eine Erhöhung der Antikörpertiter IgM und IgG festgestellt, deutet dies lediglich auf einen Kontakt mit den Erregern hin, beweist aber nicht eine akute Erkrankung.

Dazu bedarf es weiteren Untersuchungen, wie eine Hautstanzprobe, bei der das Gewebe auf lebende Borrelien untersucht wird. Gelenkflüssigkeit oder Nervenwasser (Liquor) eignen sich ebenfalls, um eine Kultur über 21 Tage anzulegen und mit deren Hilfe die Borreliose-Erkrankung zu diagnostizieren.

Behandlung

Die Behandlung einer Lyme-Borreliose ist aufwändig und im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium schwierig, da sich die Erreger im Körper des Pferdes ausbreiten und für verschiedenste Krankheitsbilder sorgen.

Eine Infektionstherapie selbst besteht aus hochdosierten Antibiotikagaben, zumeist kommen Tetracycline, Amoxicillin/Ampicillin, Doxycycline und Cephalosporine zum Einsatz. Über einen Zeitraum von mindestens 21 Tagen hinweg werden sie zunächst als Infusion oder Injektion durch den Tierarzt gegeben. Danach kann der Besitzer sie oral verabreichen.

Borrelien sind sowohl im aktiven als auch im inaktiven Zustand im Körper vorhanden. Eine ausreichend lange und häufig auch wiederholte Behandlung ist daher notwendig, um alle Erreger in ihren unterschiedlichen Entwicklungsstadien abzutöten.

Zusätzlich erfolgt eine individuelle Behandlung der Krankheitsbilder, die durch die Borreliose ausgelöst wurden. Je nachdem, welche Organe und Körperteile des Pferdes betroffen sind, kann die Behandlung unterschiedlich schwierig sein.

Heilungschancen

Entscheidend für den Heilungserfolg in welchem Stadium der Erkrankung mit der Behandlung begonnen wird. Je früher eine gezielte Therapie erfolgt, desto besser sind die Chancen. So lange sich die Erreger in der Blutbahn befinden, sind sie mit Antibiotika am wirksamsten zu bekämpfen. Haben sie sich erst einmal in Gelenke, Muskeln oder das Nervensystem zurückgezogen, sind sie nur noch schwer erreichbar.

Borrelien durchlaufen inaktive und aktive Lebenszyklen, innerhalb derer sie wieder in die Blutbahnen zurückkehren. Dies hat zur Folge, dass die Symptome schubweise auftreten können und es mehrerer Therapiezyklen bedarf. Ein vollständiger Therapieerfolg tritt demzufolge nur bei ausreichend langer Behandlung ein.

Ursachen

Ursache ist der Biss einer Zecke, die Erreger in sich trägt. Die Häufigkeit der Trägertiere pro Gesamtanzahl der Spezies variiert regional. Das bedeutet folglich auch, nicht jeder Zeckenbiss zieht eine Erkrankung nach sich. Auch das Immunsystem des Opfers spielt bei der Abwehr der möglichen Erkrankung eine große Rolle.

Die Borreliose-Erreger, sogenannte Spirochäten, befinden sich im Darm der Zecke. Sowohl adulte Zecken als auch Larven- und Nymphen können Träger des Erregers sein. Beißt die Zecke nun und beginnt zu saugen, gibt sie die Erreger über die Speicheldrüse in den Blutkreislauf des Pferdes ab.

Dort verteilen sie sich zunächst und gelangen nach einiger Zeit auch in Gelenke, Sehnen, Muskeln und über die Nervenflüssigkeit an die Nervenansätze. Hier setzen sie sich fest und verursachen verschiedenste unspezifische Symptome.

Vorbeugung

Es wird angenommen, dass die Zecke erst etwa 12 Stunden nach dem Biss die Borreliose-Erreger ins Blut des Pferdes abgibt. Deshalb ist eine sorgfältige Kontrolle nach jedem Weidegang oder Ausritt notwendig, um die Zecken gegebenenfalls umgehend zu entfernen.

Zecken bevorzugen Körperstellen mit möglichst dünner Haut und wenig Behaarung. Pferde werden zumeist zwischen den Hintergliedmaßen, an der Brust, am Bauch und anderen feinhäutigen Stellen gestochen.

Zusätzlich zur täglichen Kontrolle können auch Sprays zur Insektenabwehr eingesetzt werden, von denen manche Produkte auch gegen Zecken wirksam sind. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass deren Schutz nie vollständig sein kann, sie in ausreichender Menge verwendet werden müssen und nach wenigen Stunden einen Großteil der Wirksamkeit verlieren.

Entfernung

Entdeckt man eine Zecke, die sich bereits festgebissen hat, kommt es auf die richtige Entfernung an. Dazu eignet sich am besten eine spezielle Zeckenzange oder handelsübliche Pinzette. Damit umfasst man die Zecke möglichst nah an der Haut des Pferdes und zieht sie vorsichtig gerade nach oben heraus. Auf diese Weise bleibt der Kopf der Zecke nur selten in der Haut stecken und sie wird möglichst wenig gequetscht.

Verzichten sollte man hingegen auf das Abtöten der Zecke mit Öl sowie auf Drehbewegungen mit der Zeckenzange. Denn wird die Zecke gequetscht oder unter Stress gesetzt, gibt sie vermehrt Erreger in die Blutbahn ihres Wirts ab, und die Gefahr einer Infektion steigt.

Impfung

Seit einiger Zeit existiert ein Impfstoff gegen Lyme-Borreliose für Pferde, der allerdings kontrovers diskutiert wird. Während einige Tierärzte und Tierkliniken ihn ausdrücklich empfehlen, halten andere Quellen die Impfung für überflüssig oder nur begrenzt wirksam.

Der Impfstoff „Equilyme“ enthält Antikörper gegen alle drei in Deutschland vorkommenden Arten von Borrelien. Zunächst wird eine Grundimmunisierung durchgeführt, die aus zwei Impfungen im Abstand von je zwei Wochen besteht. Sie sollte idealerweise vor Beginn der Zeckensaison erfolgen. Die nächsten zwei Impfungen erfolgen im Abstand von je sechs Monaten, danach jährlich.

Der Impfstoff sorgt dafür, dass die Borrelien in der Zecke verbleiben und nicht an den Blutkreislauf des Pferdes abgegeben werden können. Wie andere Impfungen kann auch der Borreliose-Impfstoff Nebenwirkungen wie Schwellungen oder Fieber auslösen. Ob eine Impfung sinnvoll ist, hängt von der allgemeinen Situation und den Lebensumständen des Pferdes ab und ist individuell mit dem Tierarzt zu beraten.

 

Die von dem Reitsportmagazin Hufglück angebotenen Inhalte über Pferdekrankheiten dienen ausschließlich der Information der Pferdebesitzer und Reiter. Sie ersetzen in keinem Fall die Untersuchung und Diagnose durch einen Tierarzt.
    * Pferdewirtschaftsmeisterin * Reitlehrerin FN * lebt in Portugal *